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Mitu Khurana: “Meine Töchter sollen leben”

March 15, 2013

Mitu Khurana: “Meine Töchter sollen leben”

mitu-khurana

 

Indien ist für Mädchen das gefährlichste Land der Welt. Sie werden ermordet, vergewaltigt – oder gar nicht erst geboren. Mitu Khurana stellt sich dagegen: Als erste Frau in Indien hat sie ihren Mann wegen versuchten Mordes angezeigt. Er wollte sie zwingen, ihre Zwillinge abzutreiben – nur, weil sie Mädchen sind.

Als Mitu Khurana in der 16. Woche ihrer Schwangerschaft war, ließ ihr Mann ihr einen Kuchen mit Eiern backen. Er wusste, dass sie allergisch gegen Eier ist, er wollte, dass sie davon krank wird. Mitu aß den Kuchen. Es ging ihr schlecht. Sie verlangte nach ihren Medikamenten. Die Familie gab sie ihr nicht. Sie kam in ein Krankenhaus. Ihr Mann überzeugte den Arzt, einen Ultraschall vorzunehmen. Das hatten er und Mitus Schwiegermutter seit Wochen gewollt: dass sie eine Ultraschalluntersuchung macht, um das Geschlecht ihres Kindes zu bestimmen. Mitu hatte sich stets geweigert, aber jetzt wurde sie mit Medikamenten ruhiggestellt. Statt der vermeintlichen Nierenuntersuchung wegen der Allergie wurde das Geschlecht der Kinder bestimmt. Zwei Mädchen. Als man es ihr sagte, wusste sie: Man wird sie zur Abtreibung zwingen.

Inmitten des asiatischen Wirtschaftsbooms geht es für Mädchen in Indien ums Überleben. Seit fast zwanzig Jahren gibt es dort Ultraschalluntersuchungen, seitdem können die Familien auch das Geschlecht des Kindes frühzeitig erfahren. Und deshalb wurden zwölf Millionen Mädchen – vor allem im reichen Süden und in den großen Städten, wo viele sich einen Ultraschall leisten können – nicht geboren, weil ihre Familien lieber einen Jungen wollten. Sie wurden abgetrieben, im Klinikmüll entsorgt. Nicht aus Not und Armut, sondern weil sie für ihre Familien vor allem eins bedeuteten: weniger Geld für ihre eigenen Wünsche – ein Apartment, ein neues Auto, eine schöne Reise.

Geschlechtsselektive Abtreibung ist verboten, trotzdem werben die vielen, vor allem privaten Abtreibungskliniken dafür: “Zahl jetzt 1.000 Rupien – und spare später 100.000.” Denn Mädchen brauchen bei ihrer Verheiratung eine Mitgift, und die Hochzeitsfeier, die die Familie der Braut ausrichten muss, kostet viel Geld. “Ein Mädchen großzuziehen ist wie Nachbars Garten zu wässern”, lautet ein indisches Sprichwort. Die UN haben Indien zum weltweit gefährlichsten Land für Mädchen erklärt. Denn es werden nicht nur Millionen weiblicher Föten abgetrieben. Jede Stunde wird eine Frau ermordet, weil die Familie ihres Mannes es nur auf ihre Mitgift abgesehen hat. In der modernen Hauptstadt Delhi wird alle 18 Stunden eine Frau vergewaltigt. So wie am 16. Dezember eine 23-jährige Studentin in einem Bus von sechs Männern – auf so brutale Art, dass sie 13 Tage später starb.

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